©SilvinaBuchbauer

PLEASE DO (NOT) DISTURB

Stückentwicklung

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid

Allein in Deutschland beenden jährlich etwa 10.000 Menschen ihr Leben durch Suizid.
Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Die Anzahl der Suizidversuche pro Jahr wird auf mindestens 100.000 geschätzt. Von jedem Suizid sind nach Schätzungen der WHO durchschnittlich deutlich mehr als sechs Personen betroffen.

Das Thema ist immer noch tabu: Selbstmord, Suizid, Selbsttötung, Freitod – schon die Frage nach der „korrekten“ Bezeichnung stiftet Unsicherheit und Verwirrung. Für Hinterbliebene folgt meist ein einsamer, sprachloser und scheinbar unendlicher Trauerprozess. Nicht selten sind sie durch Schuldzuweisungen
und Selbstvorwürfe traumatisiert oder werden sogar selbst suizidal.

Nicht nur Angehörige, Freunde, Kollegen und Mitschüler, auch in Ausübung ihres Berufes mit Suiziden konfrontierte Menschen oder Zeugen suizidaler Handlungen können in einem solchen Maß betroffen sein, dass sie selbst Unterstützung benötigen. Darüber hinaus sind die Betroffenen mit einer gesellschaftlichen
Dynamik konfrontiert, die durch Unwissen und Unsicherheit im Umgang mit dieser Thematik zusätzliches Leid erzeugt. Die Frage nach dem `Warum ́ spielt eine zentrale Rolle und kehrt immer wieder, denn es gibt keine wirkliche Antwort.

Für diese Stückwntwicklung steht vorab eine intensive Recherche- und Textarbeit im Fokus. Diese basiert auf Interviews mit Überlebenden und Hinterbliebenen, Betroffenen, Helfenden und Gefährdeten. Die Sammlung soll ausserdem Abschiedsbriefe, Hinterlassenschaften und Vermächtnisse umfassen. Aber auch
Wünsche, Erinnerungen, Phantasien, Absurditäten und Unaussprechliches. Ein Kaleidoskop dieses komplexen Themas, das so viele, oft auch widersprüchliche Facetten hat, soll Herzstück und Arbeitsgrundlage sein für ein zukünftiges Bühnenprojekt: „Alles ist besser als Schweigen“.

Im geschützten Theaterraum findet die Schutzlosigkeit ihren Platz, der Schrei seine Stimme, die Wunde darf bluten und die Sinnlosigkeit verlacht werden. Nichts ist tabu.

„Ja, Camille, wir wollen uns beieinandersetzen und schreien.“ (aus „Dantons Tod“, Georg Büchner)

Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa